Übersicht

Ein Tor zur See und fremden Ländern
Die Stadt resp. Gemeinde, führt ihren Ursprung auf das Fischerdorf und den Umschlagplatz Bodekull zurück, an einem tiefen und wohlgeschützten Meerbusen gelegen-der Mündung des Mieåns in die Ostsee. Wir kennen Bodekull schon viel früher als Blekinge durch den Frieden von Roskilde im Jahr 1658 eine schwedische Provinz wurde. Dieser Ort, der später den Namen Karlshamn bekam, war seit langem für die Menschen in Westblekinge, Südsmåland und Nordostskåne ein wichtiges Tor zur See und fremden Ländern.
Bodekull war ein kleines Dorf, das zur Gemeinde Asarum gehörte. Hier gab es nur einige Bauern, Fischer und eine Anzahl von Zollbeamten- Männern, die aufpassen mussten, dass nichts ungesetzlich geladen oder gelöscht wurde. Alle Anlege-und Zollgebühren, die zu dieser Zeit gezahlt wurden, kamen der Stadt Ronneby und dem Staate zugute.
In der Mitte des 17. Jahrhunderts bekam Schweden einen König aus der Pfalz in Süddeutschland. Sein Name war Karl X Gustav, ein Vetter seiner Vorgängerin Königin Kristina, die 1654 abdankte. Damit wurde er Stammvater des pfälzischen Geschlechts auf dem Throne von Schweden. Karl X Gustav führte während seiner kurzen Regierung viele Kriege, und in einem besiegte er Fredrik III und die Dänen. Im Frieden, der am 26. Februar 1658 in Roskilde geschlossen wurde, bekam Schweden unter anderem Skåne, Blekinge, Halland und Bohuslän.
Seit langem hatten die Schweden ein wachsames Auge auf Bodekull. Man brauchte eine Flottenbasis in Südschweden. An der Mündung des Mieåns fand man den Platz, den man gesucht hatte. Das meinten sowohl Karl X Gustav als auch Erik Dahlberg, als sie das kleine Fischerdorf im Frühling 1658 besuchten.

Grosse Pläne für die Flotte
Am 15. September 1664 bekam Bodekull die Stadtrechte. Durch einen königlichen Brief wurden 1666 die Bauernhöfe Bodekull und Bodestorp der Stadt geschenkt und die Stadt auf den Namen Karlshamn nach Karl X Gustav umgetauft. Zwei Jahre später erhielt die Stadt brieflich das Privilegium, von Karl X Gustavs Witwe unterschrieben. Dieser Brief enthielt die Rechte und Schuldigkeiten der Stadt und befindet sich heute in Karlshamns Archiv.
Wie oben erwähnt hatte Karl X Gustav die Absicht einen Exporthafen und Marinestützpunkt anzulegen. Sein früher Tod (im Jahr 1660) war vielleicht der Grund, dass diese Pläne nicht in der Umfassung, wie geplant, ausgeführt wurden. Jedoch wurde auf Boön 1659 eine Staatswerft angelegt, die 1676 nach Kalmar übersiedelte.
Erik Dahlberg machte Entwürfe zu Massnahmen zum Schutz der Stadt von der Seeseite. Die erste Schanze wurde auf Boön 1659 angelegt. Funde davon gibt es noch. Die Befestigungswerke auf Friesholmen, jetzt Kastellet, wurden 1675 angefangen. Die Garnison belief zeitweise auf 400 Mann und wurde 1864 aufgelöst.

Eigensinnige Dänen
Die Stadt war ein paar mal den Verheerungungen eines Krieges ausgesetzt. 1676 eroberten die Dänen die Stadt und die Festung Kastellet, die aber im folgenden Jahr zurückerobert wurden. 1678 kamen die Dänen zurück aber von der Landseite, von einem Verräter, Pickedala-Ola genannt, geführt. Die Stadt wurde in Brand gesteckt und etwa 20 Häuser in Schutt und Asche gelegt, darunter das Rathaus und die Schule. Es gelang jedoch die Feinde zu vertreiben und der Verräter wurde verbrannt. 1710 wurde die Stadt nochmals von den Dänen eingenommen, aber gegen ein grosses Lösegeld
wieder verlassen.
Im folgenden Jahr, 1711, wurde die Stadt von der Pest heimgesucht. Man berechnet, dass die Hälfte der Bevökerung, etwas 900 Personen, starben. Ein besonderer Pestfriedhof wurde im östlichen Teil der Stadt, in der Nähe vom Surbrunnsparken angelegt.
1716 bekam die Stadt einen interessanten Besuch, als Karls XII: s orientalische Gläubiger hier einquartiert wurden. Sie waren dem König nachgereist, um ihre Forderungen anzumelden. Ausser den 50 Geldgebern waren da noch 90 Polen und Deutsche. Die Eintracht zwischen den Fremden war nicht immer bestens. Ein polnischer Rittmeister misshandelte einen Juden zu Tode und ein Türke, Deli Mustafa, stach seinen Hausherrn, Oma Pascha, auf dem Markte in Karlshamn nieder. Die Mordstelle ist mit einer viereckigen Steinplatte gekennzeichnet.

Ein Schmuggelhafen
Im Jahr 1763 wurde der nördliche Teil der Stadt (23 Häuser) durch einen Grossbrand verheert. 1790 brannten der neuaufgeführte Glockenturm und eine Anzahl Häuser-der Kungsgatan entlang -ab. Die Napoleonkriege zu Anfang des 19. Jahrhunderts brachten eine kurze goldene Zeit für die Stadt mit sich, als die Häfen des Kontinents für die englische Handelsflotte gesperrt wurden. Aber mit Hilfe der englischen Kriegsmarine, wurden Waren grossen Stils zum Festland Europa geschmuggelt. Einer der grössten Schmuggelhäfen war eben Karlshamn. Während dieser Zeit, der Schmuggelepoche, gewannen viele Familien in Karlshamn ein Vermögen dadurch, dass sie Waren billig einkauften und mit gutem Gewinn verkauften.Wenn die alten Häuser längs des Mieåns erzählen könnten! Dann könnten wir sicher manch spannende Geschichte zu hören bekommen.
Der Name Karlshamn ist über die ganz Welt geflogen und so ist es heute noch. Früher war es vor allem wegen des Schwedenpunsches, "Carlshamns Flagg"; aber auch ein anderes Genussmittel machte den Namen bekannt-und zwar Schweden-Snus. Dahléns Schweden-Snus wurde weit über die Landesgrenzen geschätzt.- Ein Punschmuseum im Gebäude der Kunsthalle und ein Snus-und Tabakmuseum im Hofe des Museums erinnern an diese goldenen Zeiten. Der Stein, der Granit aus Blekinge, ist auch beinahe in der ganzen Welt bekannt. Viele der bekanntesten Gebäude der Welt sind mit Steinen aus Fernströms Steinbrüchen bekleidet und viele Monumente sind mit der feinen AFK Marke (Alfred Kofoed Fernström) signiert. AFK:s Bürogebäude liegt am Hafen neben dem Hafenbüro.

Erst Spirituosen-
dann Öl
Die Spiritusherstellung gab während dieser Zeit der Stadt ihr Gepräge. Der Branntweinkönig L.O.Smith baute eine gewaltige Anlage auf dem westlichen Kai mit Türmen und Zinnen, eine Architektur, die man bisweilen scherzhaft Maurerfreude nannte. Einen Stil, den man auch heute noch sehen möchte, wenn man diese Gebäude sieht, die wie Kästen aussehen. Die oben genannte Anlage war eine Branntweinveredlungsfabrik, mit der L.O. Smith unter einer zehnzahl von Jahren grosse Geschäfte machte. Und Schiffslasten mit Branntwein verliessen täglich Karlshamn. Aber eines Tages nahmen die Geschäfte ein Ende, vor allem weil der spanische Staat Beschlag auf die gewaltigen Lager legte, die L.O.Smith dort unten aufgelegt hatte.
Die Anlage wurde dann zu einer Zuckerfabrik; und heute ist Karlshamns AG der Besitzer-, der grösste Industriebetrieb der Stadt mit etwas 900 Angestellten und Nordeuropas grösster Hersteller von vegetabilischen Ölen. Immer noch gibt es Teile der Spritveredlungsfabrik im alten Hafen gegenüber dem Hotel Carlshamn. Im Hafenpark an der Näsviken erinnert Axel Olssons Monument "Karl Oskar und Kristina" an die Auswanderung über Karlshamn- Mitte des 19. Jahrhunderts, geschildert in Wilhelm Mobergs grossem Auswandererepos.

Schröder und Tegnér
Manche bedeutenden Männer haben in Karlshamn regiert. Der grösste war vielleicht Christopher Schröder, Reichstagsabgeordneter, Richter, Zollinspekteur, Bürgermeister und Arzt. Er ergriff die Initiative zum Rathaus-und Kirchenbau, Schulwesen und mehr-ein wirklich vielseitiger Mensch Karlshamns bekannteste Frau aller Zeiten ist Alice Tegnér, die Meisterin des schwedischen Kinderliedes. Sie wurde 1864 in Karlshamn geboren und wohnte während ihrer Schulzeit in Drottninggatan 34 (Harms Hügel). Bevor sie Kreisgerichtsrat Jacob Tegnér (den Enkel des Dichters Esaias Tegnér) heiratete, hiess sie Alice Sandström. Ihr Vater war der musikalische Befehlshaber des Schiffes "Falco", Edvard Sandström. Unter ihren Kinderliedern können Mors lille Olle (Mutters kleiner Olle), Bä, bä vita lamm (Bä, bä weisses Lamm), Borgmästar Munthe (Bürgermeister Munthe), Tre pepparkaksgubbar (Drei Lebkuchenmänner), Sockerbagaren (der Zuckerbäcker), und Majas visa (Majas Lied) genannt werden. Barfussmädchen Maja in Bronze, das so aufrecht auf dem roten Granitsockel im Rosengarten steht, symbolisiert sowohl Maja des Liedes als auch Alice Tegnér selbst.
Licht und Schatten haben in Karlshamn sich abgelöst. Krieg und Brand haben die zweitgrösste Stadt (und Gemeinde) der Provinz verheert, aber sie hat sich immer wieder erhoben. Karlshamn wird die kleine Stadt mit dem grossen Hafen genannt und das mit allem Recht. Der Hafen ist immer der Puls der Stadt und das Tor zur Welt gewesen. Wir in Karlshamn sind stolz auf unseren Hafen aber natürlich auch auf die Stadt im übrigen. Besonders im Sommer zeigt sich Karlshamn von seiner besten Seite - mit allen kleinen Oasen in der Stadtmitte. Willkommen in Karlshamn- der Stadt mit den schönen Hinterhöfen!
Lars Dreje
aus Karlshamn